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Drei Werbespots zur Kapitalisierung, Privatisierung und Kulturalisierung des städtischen Raumes, als Beitrag zu "non-lieux", Kaskadenkondensator
Basel 1998

Die sozio-wirtschaftliche Struktur des städtischen Raumes Basel wird - wie übrigens die von jedem anderen wirtschaftlich bedeutende Standort in Zentraleuropa auch - im Moment gemäss den aktuellen wirtschaftlichen Konzepten nachhaltig umgebaut. Die globale Konzeption von Wirtschaft, welche im wesentlichen eine Konzeption des Finanzmarktes und der multinationalen Konzerne ist, braucht Städte als gut funktionierende Operationsbasen mit ausgebauter Dienstleistungsinfrastruktur im Finanz-, Kommunikations- und Sicherheitssektor. Für die „Produktion globaler Kontrolle“ sind ausserdem eine Reihe von weiteren Faktoren entscheidend, etwa gut ausgebaute Transportwege, blitzschnelle Kurierdienste, diskrete Reinigungs- und Servicefirmen, technische Spezialisten und eine solide medizinische Versorgung. Attraktive Shoppingmöglichkeiten, abwechslungsreiche Gastronomie, Kultur mit „Weltrang“, erholsame Landschaft und intakte Umwelt gelten darüber hinaus als sog. weiche Standortfaktore, und bilden für die temporär und dauernd ansässigen White Collars und ihre internationalen Geschäftspartner den angemessenen Rahmen.
Der erste Spot beschreibt mit Hilfe von Footage aus TV-Werbespots die auf subjektiver Suggestition und symbolischer Aufladung beruhende Konstruktion eines begehrenswerten Gewinner-Subjekts, welches der reinen Geldakkumulation gesellschaftliche Credibility verleiht und gleichzeitig den hochriskanten, spekulativen Finanzmarkt spielerisch, dynamisch und professionell erscheinen lässt. Tatsache ist, dass die breite Identifikation mit den auf diese Weise personifizierten Kapitalinteressen, die Voraussetzung dafür ist, dass die Wirtschaft ihre Verantwortung, etwa als Arbeitgeberin oder gegenüber dem Sozialstaat ohne grossen Widerstand abgeben kann.
Der zweite Spot vereint Bilder und Slogans mehrerer Versicherungsanzeigen aus verschiedenen Wochenmagazinen. Die Logik von Gewinn und Rendite wird kulturell über konservative Traditionen und Subjektzuschreibungen stabilisiert. Karriereplanung, Vorsorgepläne, Anlageplanung, Familienplanung und die darin von Anfang an verteilten Rollen, garantieren für optimale Akkumulationsbedingungen. Die ideologischen Grundzüge des neoliberalen Backslashs auf sozialer Ebene sind von alt bekannten Motiven wie Sexismus und Rassismus geprägt.
Der dritte Spot setzt sich aus Footage aus meinem eigenen Camcorder und Bildern aus Kampagnen der Immobilienbranche und des Stadtmarketings zusammen. Er verweist auf die eindeutige Rolle, welche aus der Sicht der an Eigenkapitalrendite und Investitionen interessierten Kreise der Kultur und Kunst zugeteilt wird. Dem guten, gepflegten, chicen, innovativen, oder je nach Zielgruppe, welche gerade ins Auge gefasst wird, auch schrägen und subkulturellen Image, kommt in einem, in erster Linie symbolisch agierenden Markt, eine zentrale Bedeutung zu. Dort wo die Bedingungen kultureller Produktion und ihrer Öffentlichkeit nicht mitbedacht und selbstbestimmt gestaltet werden, ist denn auch die sofortige Abschöpfung des kulturellen Mehrwerts durch Pomotions- und Mainstream-Interessen unvermeidlich.

©psp 2000